Essen auf Santa Maria: Ohrenkekse, die Sommer-Meloa und Caldo de Nabos
Die Küche von Santa Maria folgt dem Kalender: Biscoitos de orelha, von Hand geformte dreieckige Kekse, die nur auf der Insel gebacken werden, halten das ganze Jahr; die Meloa, eine Melone mit EU-Schutzstatus seit 2015, hat meist von Juli bis September Saison; Caldo de nabos, eine Brühe aus einheimischen Rüben und Schweinefleisch, sollten Sie vorbestellen; und von den Terrassen in São Lourenço kommen Vinho de cheiro und seit 2024 zertifizierter IG-Açores-Wein.
Die Küche von Santa Maria übersieht man leicht, denn nichts davon steht groß auf einer Speisekarte. Die Insel hat einen Keks, der nirgendwo sonst gebacken wird, eine Melone mit europäischem Schutzstatus, eine Rübensuppe, für die Restaurants oft Vorlauf brauchen, und eine kleine Wiederbelebung des Weinbaus in den Buchten. Wann Sie kommen, entscheidet viel: Die Melone ist eine Sommerfrucht, die Suppen gehören zu den Festmonaten, und die Kekse halten das ganze Jahr.
Biscoitos de orelha, die Ohrenkekse
Ein Biscoito de orelha ist ein kleines, hartes Dreieck, dessen Ecken so eingeschnitten sind, dass sie wie Ohren abstehen. Die regionale Spezifikation für das zertifizierte Produkt, veröffentlicht 2014, schreibt vor, dass jeder Keks von Hand geformt wird: Der Teig wird über die Finger zu einem Dreieck gewickelt, die Ohren werden mit Schere oder Messer geschnitten. Maschinen sind nur zum Mischen und Kneten erlaubt.
Der Teig besteht aus Weizenmehl mit etwas Maismehl, Eiern, Zucker, Schweineschmalz, Butter und einem hausgemachten Sauerteig. Nach dem Backen werden die Kekse gestapelt und noch einmal in den Ofen geschoben, um zu trocknen. Deshalb sind sie hart und lange haltbar. Laut Spezifikation wiegt ein fertiger Keks zwischen 8 und 16 Gramm und schmeckt vor allem nach Butter und Schmalz. Rechnen Sie eher mit einem Zwieback als mit einem Plätzchen; zum Kaffee passt er gut.
Dasselbe Dokument hält fest, dass der Keks nur auf Santa Maria hergestellt wird. Früher gab es ihn beim Schweineschlachten, bei Hochzeiten, an Heilig-Geist-Festen und zu Weihnachten, wenn Paten ihren Patenkindern ein besonders großes Exemplar schenkten. Lebensmittelgeschäfte und Kunsthandwerksläden auf der Insel verkaufen sie in Tüten, und weil sie hart und trocken sind, überstehen sie einen Koffer gut.
Zu den anderen traditionellen Süßigkeiten der Insel gehören Suspiros (Baisers), Melindres und Cavacas, hohle, glasierte Gebäckstücke.
Meloa de Santa Maria, eine Sommermelone
Die Meloa ist eine kleine Melone vom Cantaloupe-Typ mit orangefarbenem Fruchtfleisch, meist 800 Gramm bis ein Kilo schwer. Im Februar 2015 hat die Europäische Kommission den Namen Meloa de Santa Maria (Açores) als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) eingetragen. Jede zertifizierte Melone trägt ein Siegel mit eigener Nummer, über die sich der Erzeuger zurückverfolgen lässt.
Die Bauerngenossenschaft sagte 2023 der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa, dass die Melonen im Freiland auf kaliumreichen Böden wachsen und in der Regel von Juli bis September auf dem Markt sind. Für 2023 rechnete sie mit 80 bis 90 Tonnen. Die Genossenschaft verkauft die Melone inzwischen auf fast allen Azoreninseln und auf dem Festland, und die Saison ist kurz: Wer im Juni oder Oktober kommt, findet wahrscheinlich keine.
In der Saison kaufen Sie eine im Supermarkt in Vila do Porto und nehmen sie zu einem Picknicktisch mit. Tische gibt es am Poço da Pedreira und an den Aussichtspunkten von São Lourenço sowie Grillplätze am Poço da Pedreira und in Espigão.
Caldo de nabos, die Rübenbrühe
Santa Maria baut eine eigene Rübe an, den Nabo da terra. Die Regionalregierung und der Bauernverband der Insel arbeiten an einem Antrag auf geschützte Ursprungsbezeichnung (Stand der Meldung: 2023).
Das Gericht, nach dem Sie fragen sollten, heißt Caldo de nabos. Die Rüben werden, traditionell in einem eisernen Topf, mit Schweinefleisch, Chouriço, durchwachsenem Speck und Süßkartoffeln gekocht, und die Brühe wird über Scheiben von hausgemachtem Brot gegossen. Das ist Haus- und Festtagsküche, und an einem gewöhnlichen Werktag haben sie nur wenige Restaurants. Fragen Sie mit dem portugiesischen Namen danach, und zwar einen Tag im Voraus, wenn Ihre Unterkunft oder ein Restaurant anbietet, sie zu kochen. Dasselbe gilt für Bolo na panela, ein Eintopfgericht aus Schweinefleisch und Gemüse, das mit runden Fladen aus Maisteig gegart wird.
Beim Fisch fragen Sie besser, was an diesem Tag angelandet wurde, statt nach der gedruckten Karte zu bestellen. Meeresfrüchte wie Napfschnecken hängen von Schonzeiten und vom Wetter ab.
Wein aus den Buchten
An den Terrassenhängen von São Lourenço und Maia wächst Wein, und der Alltagswein ist der Vinho de cheiro, ein leichter, aromatischer Wein aus amerikanischen Hybridreben. Seit 2018 bringt ein Projekt unter Leitung der Gemeinde Vila do Porto die Weinberge zurück. Die Versuchskellerei, das Santa Maria Wine Lab, lief von 2022 bis 2023 mit der Landwirtschaftsgenossenschaft, und im Mai 2024 wurden unter dem Namen Céptico die ersten Weine von Santa Maria mit der Herkunftsangabe IG Açores vorgestellt.
Wenn Sie Anfang September auf der Insel sind, ist das Weinlesefest in São Lourenço die einfachste Gelegenheit, den örtlichen Wein zu probieren. Die Termine ändern sich jedes Jahr; prüfen Sie sie vor Ort. Die Bucht selbst, ihre Aussichtspunkte und wie Sie dort einen Tag verbringen, beschreibt unser Ratgeber zur Baía de São Lourenço.
Heilig-Geist-Suppen im Frühjahr und Sommer
Ab Mai, rund um Pfingsten, feiern die Gemeinden auf allen Azoreninseln Heilig-Geist-Feste, und im Mittelpunkt steht jeweils ein gemeinsames Essen: Brot, übergossen mit der Brühe von Rindfleisch, das mit Kohl und Minze gekocht wurde, das Fleisch daneben. Santa Maria pflegt diese Tradition in seinen Gemeinden. Es sind Gemeinschaftsessen, keine Restaurants, und jede Gemeinde legt ihre Termine selbst fest. Fragen Sie in Ihrer Unterkunft, welche während Ihres Aufenthalts anstehen. Besucher nehmen durchaus daran teil.
Wann Sie wofür kommen
- Ganzjährig: Ohrenkekse und das übrige trockene Gebäck.
- Mai bis Frühsommer: Heilig-Geist-Suppen, an Terminen, die jede Gemeinde selbst festlegt.
- Juli bis September: Meloa.
- Anfang September: das Weinlesefest in São Lourenço und neuer Wein.
- Caldo de nabos: jederzeit, aber vorbestellen.
Kurz beantwortet
Wofür ist Santa Maria kulinarisch bekannt? Für Biscoitos de orelha, von Hand geformte dreieckige Kekse, die nur auf der Insel hergestellt werden; für die Meloa, eine Melone mit EU-Schutzstatus seit 2015; für Caldo de nabos, eine Brühe aus einheimischen Rüben und Schweinefleisch; und für den Vinho de cheiro von den Terrassen in São Lourenço.
Wann ist Meloa-Saison auf Santa Maria? In der Regel von Juli bis September. Jede zertifizierte Melone trägt ein nummeriertes Siegel.
Wo kann ich Ohrenkekse kaufen? In Lebensmittelgeschäften und Kunsthandwerksläden auf Santa Maria. Sie sind hart und trocken und halten sich deshalb gut im Gepäck.
Kann ich Caldo de nabos im Restaurant bestellen? Manchmal, aber es ist kein Tagesgericht. Fragen Sie mit dem Namen danach und geben Sie einen Tag Vorlauf.
Azores Guide
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